| 25. September 2007 Bundesminister Michael Glos MdB besucht Energiemesse in Gerolzhofen Bericht in der Heimatzeitung 'Main-Post Gerolzhofen' Von Corina Erk GEROLZHOFEN Ganz im Zeichen regenerativer Energiequellen stand die Energiemesse der Firma Harter, geführt von Wolfgang und Christian Nieschlag, in Gerolzhofen. Im Spitalhof konnten sich die Besucher über die Möglichkeiten umweltfreundlicher Energiequellen von den Firmen Viessmann, Waterkotte, Alpha-Innotec, Permatrade, Sonnenkraft, Energypoint, FW Bauservice und Fröling beraten lassen. Drei Fachvorträge gaben zudem einen Einblick in die Nutzung von Blockheizkraftwerken, Wasseraufbereitungsanlagen und Wärmepumpen. Getreu dem Firmenmotto "Für mehr Lebensqualität und eine gesunde Umwelt" wurden auf der Energiemesse zahlreiche Lösungen für eine schadstoffarme Energiewirtschaft angeboten. Trotz des aktuellen Themas und trotz hochkarätiger Gäste fanden vergleichsweise wenige Gäste den Weg in den Spitalhof. So besuchte beispielsweise der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, das Messegelände, um sich über die Chancen regenerativer Energiequellen aufklären zu lassen und das, obwohl er für eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken plädiert: "Ich will heute keinen Streit über die verschiedenen Energiegewinnungsquellen. Fest steht, dass wir gerade in der Gebäudetechnik und in den Heizungssystemen die CO2- Belastung reduzieren müssen." Auch Glos für erneuerbare Energie Der Ausbau erneuerbarer Energien sei absolut notwendig. Dennoch warnte Bundeswirtschaftsminister Glos vor den Grenzen der Bioenergie, die er in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion durch die Landwirtschaft sieht. "Fest steht aber nichtsdestotrotz, dass mit steigenden Energiepreisen zu rechnen ist und so müssen die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie und die Kraft-Wärme-Kopplung weiter ausgebaut werden." Glos lobte den Mut der Initiative der Firma Harter und betonte den Wert des Mittelstandes auf diesem Gebiet: "Wolfgang Nieschlag und sein Sohn Christian setzen einen traditionsreichen Namen in Gerolzhofen fort." Bürgermeisterin Irmgard Krammer verlieh der Firma Harter des Prädikat eines jungen, innovativen Unternehmens, das den Bürger vor allem auch mit der Messe die Vielfalt regenerativer Energien näher bringe: "Energieeinsparung ist absolut notwendig und wirkt sich nicht nur auf die Umwelt und das Klima, sondern auch auf den eigenen Geldbeutel aus", so die Bürgermeisterin. Dem Publikum wünschte sie viele wertvolle Erkenntnisse. Den zweiten Höhepunkt der Hausmesse stellte der Vortrag von Dr. Franz Alt zum Thema "Die Sonne schickt uns keine Rechnung" dar. Wie schon zuvor beim Rundgang des Bundeswirtschaftsministers Michael Glos fanden sich nur einige wenige Interessierte im Zelt auf dem Spitalhof ein. Und sie sollten einen höchst aufschlussreichen und energisch dargebotenen Vortrag vom Journalisten Dr. Franz Alt erleben. Mit Nachdruck und aus voller Überzeugung wies Alt, der selbst seit einigen Jahren zwei Solaranlagen auf seinem Hausdach in Baden-Baden betreibt, auf die Notwendigkeit eines Umdenkens im Bereich der Energiegewinnung hin. In Übereinstimmung mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel zeichnete er die Energiefrage als die Überlebensfrage der Menschheit aus. "Erneuerbare Energien sind eine enorme Chance: Sie sind preiswert, schaffen Arbeitsplätze und bringen keine Folgekosten mit sich, da sie nicht das Klima zerstören", so Alt. In einer Reihe von Zahlenbeispielen unterstrich er die Pflicht der Weltbevölkerung, sich der Klimafrage anzunehmen: "Laut einer Weltbankrechnung kostet Klimaschutz ein Zehntel des Geldes, was die Klimazerstörung verschlingt." Im Jahr 2030 sei der Erdölvorrat der Erde verbraucht und spätestens dann müsse das Solarzeitalter, für das Alt schon jetzt plädiert, einsetzen. "Wir Menschen sind abhängig von der Sonne - ohne sie gäbe es uns nicht." Vier Wochen ohne Sonnenschein würden auf der Erde Temperaturen von -170" Celsius entstehen lassen. "Wir verbrauchen heute an einem Tag so viele Rohstoffe, wie in 5.000.000 Tagen auf der Erde angesammelt wurden", veranschaulichte Alt sein Plädoyer für eine sofortige Kehrtwende auf dem Feld der Energiepolitik. Alt wies auch auf die Gefahr von Kriegen um die letzten Ressourcen der Menschheit hin. Bereits heute sei diese Entwicklung zu beobachten, wie der Irak-Krieg des amerikanischen Präsidenten Bush beweise. "Um die Sonne hingegen können wir keine Kriege führen. Und sie wird uns auch niemals eine Rechnung schicken", fügte er süffisant hinzu. Und dabei sei der Klimaschutz eine Aufgabe, die von allen getragen werden muss: "Warum stehen in Gerolzhofen die meisten Häuser ohne Solaranlagen einfach so in der Gegend herum? Lieber holen wir Gas aus Sibirien!" Auch eine ethisch-moralische Kehrtwende sei nötig, "denn wir sind verantwortlich für das Wohl der kommenden Generationen. Rein in erneuerbare Energien und raus aus Kohle, Gas und Öl", verlangte Dr. Franz Alt. "Die deutschen Architekten müssen endlich erkennen, wo Süden ist und nicht jede Bauvorschrift aus dem 19. Jahrhundert ist wichtiger als die Zukunft unserer Kinder", forderte Alt energisch. Gerade im Bereich des Altbaus, in dem 90 Prozent der Deutschen wohnen, so Alt, sei ein siebenmal höherer Energieverbrauch vorhanden als nötig wäre. "Die Ökologie ist die Ökonomie des 21. Jahrhunderts." Für den Energiezustand von 2050 geht Alt von folgender Verteilung aus: 30 Prozent der Energie würde aus Biomasse gewonnen werden, 40 Prozent aus Solarkraft, 15 Prozent aus Windenergie, 10 Prozent aus Wasserkraft und nur fünf Prozent aus Erdöl. Gerade in Zeiten einer akuten Terrorbedrohung sei eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken, wie sie beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Glos fordere, geradezu töricht. Auch wenn die deutschen Technik weltweit noch hoch angesehen sei, so "sind wir keineswegs die Umweltweltmeister, für die wir uns gerne halten. Und wer sagt, Windräder verschandeln die Landschaft, der muss mir die Frage beantworten: Wie sexy ist eigentlich ein Atomkraftwerk?" Bereits in der Bibel seien Verweise auf die Nutzung von Solarenergie zu finden. "Jesus hat einmal gesagt: 'Die Sonne des Vaters scheint für Gut und Böse.' Und auch der Dalai Lama als Papst des Ostens betone die Bedeutung regenerativer Energien, wenn er sagt: 'Religiös ist, wer mitarbeitet an der Bewahrung der Schöpfung'." Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Franz Alt gab es Gelegenheit für die Zuhörer, Fragen zu stellen und so entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um die Vor- und Nachteile von Solarenergie. |
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